Norbert Bartschat zieht mit seinem Bagger die zerst�rten Buhnenpf�hle aus dem Ostseegrund.
Norbert Bartschat zieht mit seinem Bagger die zerst�rten Buhnenpf�hle aus dem Ostseegrund.
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Fotos: Detlef L�bcke

Prerow

Langsam rollt der Bagger vom Strand an der Buhnenreihe entlang in die Ostsee. Angst, dass er mit dem Baufahrzeug im Meer versinken könnte, hat Baggerfahrer Norbert Bartschat nicht. Gelassen verweist er auf den hohen, kettenbetriebenen Unterbau. So ausgerüstet, dringt selbst kein Tropfen in die Kabine, als der Bagger an den letzten Buhnenpfählen angekommen ist.

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Bis zu drei Meter Wassertiefe wären möglich, ohne dass Norbert Bartschat nasse Füße bekommt.

Mit seinem Greifer zieht er die vier Meter langen Holzpfähle aus dem Meeresboden — einen nach dem anderen. Die Buhnen wurden zwischen 1982 und 1992 gesetzt. Da sie aus Kiefernholz bestehen, bildeten sie leichten Spielraum für den Schiffsbohrwurm. Er frisst Buhnen butterweich. Und das ist den Altbuhnen deutlich anzusehen. Sie sind durch die gefräßige Muschel stark zerstört.

Deshalb werden die Buhnen auf diesem drei Kilometer langen Abschnitt zwischen Prerow und Zingst jetzt ausgetauscht. Zwei Millionen Euro investieren Bund und Land hier in den Küstenschutz.

Im Auftrag des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt hat die Kühlungsborner Brünnich Bau GmbH in der vergangenen Woche mit dem Projekt begonnen. Die Arbeiten konzentrieren sich im Moment ausschließlich auf das Ziehen der Altbuhnen. „Gut 1000 haben wir schon raus“, sagt Norbert Bartschat. Am Maifeiertag herrschte Ruhe am Strand. Doch heute legen Norbert Bartschat und seine Kollegen André Cramer und Detlef Schimmelpfennig wieder los. Sie liegen die Woche über aus, arbeiten von früh um sieben bis abends.

Am Dienstag lief im Hamburger Hafen ein Schiff aus Uruguay ein. Es brachte eine Teilladung der neuen Buhnenhölzer. Bis morgen sollen sie in Prerow eingetroffen sein.

Die Pfähle aus dem süd����anischen Land sind aus EucalyptusHolz. Es gilt als weitestgehend resistent gegen den zerstörerischen Schiffsbohrwurm. Das Hartholz wird daher verstärkt für den Buhnenbau eingesetzt. Das EucalyptusHolz wird jedoch nur für die Buhnen im Wasser verwendet. Für die Buhnen am Strand ist unbehandeltes Kiefernholz vorgesehen.

Der Buhnenneubau ist bis 2014 geplant. Nicht mehr lange, dann ist jedoch vorerst Schluss mit den Arbeiten. Den Sommer über sollen sie ruhen. In dieser Zeit werden die Urlauber den Strand für sich haben können. Im September wird es dann wieder weitergehen.

Insgesamt sollen in diesem Bereich 6500 bis zu acht Meter lange Pfähle in den Ostseegrund und in die Uferzone gerammt werden. Mit den Buhnen will das Staatliche Amt den Sandtransport in Richtung Zingst und damit einen Abtrag des Strandes einschränken.

Zerstörerische Muschel
Seit 1993 hat sich der aus der Nordsee kommende Schiffsbohrwurm
(Teredo navalis) stark in der Ostsee vermehrt.
Der Schiffsbohrwurm, der sich von der Zellulose ernährt, hat seitdem
allein an der deutschen Ostseeküste Schäden von rund 100 Millionen Euro verursacht.
Hartes Plantagen-Holz wie Eucalyptus cloeziana gilt als derzeit bester Schutz.
Allerdings liegen noch keine Ergebnisse von Langzeitversuchen vor.

Detlef Lübcke